X
GO
Warenwert 0
Zum Warenkorb
Enter Title

  • Alles
  • Verlag
  • MIZ
  • Kinderbuch
  • Medienecho
  • Veranstaltungen
  • Politik

Feuerbach-Preis für Gerhard Czermak

15 Nov, 2023 | Return|

Eine direkte Linie von Ludwig Feuerbach über Karl Marx zu Gerhard Czermak zu ziehen, mag (vor allem denen, die den langjährigen Verwaltungsrichter kennen) unmöglich erscheinen, und doch gelang es Laudator Michael Schmidt-Salomon auf sehr elegante Weise. Denn niemand verkörpere den Übergang von der „Kritik der Religion in die Kritik des Rechts“ (den Marx in der Vorrede zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie konstatiert) in Deutschland stärker als Gerhard Czermak. Wer die „weltanschauliche Schieflage des deutschen Rechtssystems erfassen“ möchte, müsse „den Czermak-Felsen erklimmen“ – sich also in dessen juristisches Schrifttum einlesen.
Zuvor hatte der Vorsitzende des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Augsburg Gerhard Rampp darauf hingewiesen, welchen Anteil Gerhard Czermak am Aufbau des Ortsverbandes hatte, und an dessen Buch Christen gegen Juden erinnert. So erfolgreich diese Frucht seines religionskritischen Denkens auch war, die politisch wirksamsten Texte Gerhard Czermaks sind seine zahlreichen Gutachten zu juristischen Auseinandersetzungen der letzten 25 Jahre. Durch seine Stellungnahme im bayerischen Kruzifixstreit 1995 (in der Laudatio leider nicht erwähnt) über die Unterstützung der Klage gegen das Tanzverbot an sog. Stillen Tagen bis hin zu seiner gegenwärtigen Mitarbeit im Institut für Weltanschauungsrecht hat er sich als einer der „wichtigsten Vordenkern einer säkularen Rechtspolitik“ ausgewiesen. Deshalb habe er die Auszeichnung mit dem Ludwig-Feuerbach-Preis „im höchsten Maße verdient“.
Im Vorspann zu seiner Dankesrede bezeichnete sich Gerhard Czermak als „juristischer Außenseiter“. Immer wieder habe er sich gefragt, ob seine Arbeit überhaupt irgendeine Wirkung zeitige. Umso mehr freue er sich über die späte Ehrung. Danach gab er einen kurzen Abriss der Entwicklung des Weltanschauungsrechts  in der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn einige Veränderungen festzustellen seien, so Czermak, sei das „Neutralitätsgebot ... immer noch unerfüllt“.
Auch von unserer Seite – des Verlags, in dem Gerhard Czermak einige seiner Bücher veröffentlicht hat – herzlichen Glückwunsch. Und ein Hinweis, dass sich die Positionen auch eines wissenschaftlichen Außenseiters, wenn sie etwas taugen, manchmal halt doch durchsetzen: Sehr früh verwendete Gerhard Czermak in seinen Texten den Begriff „Weltanschauungsrecht“ (während „das Fach“ noch weitestgehend von „Staatskirchenrecht“ sprach). Heute ist die Bezeichnung „Weltanschauungsrecht“ fest etabliert.

Foto: © Heidi Jovanovic

Related

Offener Brief an die Träger des Deutschen Verlagspreises

Offener Brief an die Träger des Deutschen Verlagspreises

Der Alibri Verlag hat in einem Offenen Brief (dessen Wortlaut unten zu finden ist) die 60 Verlage, d...

weiterlesen >
Zum Tod von Franz M. Wuketits

Zum Tod von Franz M. Wuketits

Franz M. Wuketits war ein außergewöhnlicher Biologe, ein Naturwissenschaftler mit Blick f...

weiterlesen >
Zehn Jahre Ferkel „vor Gericht“

Zehn Jahre Ferkel „vor Gericht“

Heute vor zehn Jahren fand eine denkwürdige Sitzung der Bundesprüfstelle für jugendge...

weiterlesen >
Die Zerstörung von 1&1

Die Zerstörung von 1&1

Es wird mir ja nachgesagt, dass ich nicht sonderlich gerne telefoniere. Das stimmt auch, aber dass w...

weiterlesen >
Alibri Verlag auf der Leipziger Buchmesse

Alibri Verlag auf der Leipziger Buchmesse

Vom 15. bis 18. März findet die Leipziger Buchmesse statt. Unser Stand, den wir uns mit dem Unr...

weiterlesen >
Atheist Day 2024

Atheist Day 2024

Seit einigen Jahren soll am 23. März, dem Atheist Day, daran erinnert werden, dass weltweit imm...

weiterlesen >
Suche
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir nur essenzielle Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung