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Zum Tod von Franz M. Wuketits

11 Jun, 2018 | Return|

Franz M. Wuketits war ein außergewöhnlicher Biologe, ein Naturwissenschaftler mit Blick für gesellschaftliche Fragen. Dass er das Vorwort zu unserer Neuausgabe von Kropotkins Gegenseitiger Hilfe verfasst hat, ist insofern kein Zufall. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, dass unser biologisches Erbe auch unser Sozialverhalten beeinflusst und Konzepte gesellschaftlicher Veränderung größere Erfolgsaussichten haben, wenn sie dies berücksichtigen. Letzte Woche ist unser Autor im Alter von nur 63 Jahren getorben.
Die erste „Begegnung“ zwischen Franz Wuketits und dem Verlag war kein Buch, sondern der Kongress Die erschöpfte Theorie – Evolution und Kreationismus in Wissenschaften, an dessen Organisation wir 2008 beteiligt waren. In seinem Vortrag stellte Wuketits heraus, dass die Evolutionstheorie auch für die Erklärung kultureller und gesellschaftlicher Phänomene wertvolle Beiträge leisten könne. In der noch im selben Jahr publizierten Dokumentation der Veranstaltung war er dann mit seinem Text über das Erklärungspotential der Evolutionstheorie vertreten – sein erster Auftritt als Alibri-Autor. Es folgten mit Darwins Kosmos und der Neuauflage von Evolution ohne Fortschritt zwei Bücher, später zwei weitere, die er zusammen mit Anton Grabner-Haider verfasste, das schon erwähnte Vorwort sowie einige Aufsätze in Sammelbänden. Den naturwissenschaftlichen Teil unseres Programms hat Franz M. Wuketits erkennbar mitgeprägt.
Telefonate mit ihm waren ebenso eine Herausforderung wie der gemeinsame Besuch in einem Heurigen-Lokal. Denn sein Wiener Dialekt stellte höchste Anforderungen an die Hörversteh-Fähigkeiten und seine Leidenschaft für Tabak ließ ihn manchmal hinter Rauchschwaden verschwinden. Aber letztlich waren das keine wirklichen Probleme, denn angesichts eines so witzigen wie klugen Gesprächspartners waren stets alle Sinne im Hochleistungsmodus.
In besagtem Vorwort empfiehlt er Kropotkins Werk allen, „denen persönliche Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben und zugleich Freude am Zusammenleben etwas bedeuten“. Damit könnte er sich auch selbst beschrieben haben als „Muster-Leser“ des anarchistischen Revolutionärs.

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