In der Linken wächst das Unverständnis für den Wert von Religionskritik
In der Linken geht derzeit das Verständnis dafür verloren, welchen Wert Religionskritik als Auslöser gesellschaftlicher Veränderungen hat. Mit diesem Fazit blickt Gunnar Schedel auf 25 Jahre Alibri Verlag zurück. Ein wesentlicher Teil des Verlagsprogramms befasst sich kritisch mit Religion, Esoterik und autoritären Ideologien sowie deren Auswirkung auf die Gesellschaft.
„Als wir angefangen haben, war in der Linken die vorherrschende Meinung, dass ein laizistisches Gesellschaftsmodell im Sinne der Gleichheit Fortschritt bedeuten kann“, meint der Verleger. „Heute hat sich der Diskurs verschoben, bedeutende Teile der Linken haben nicht mehr die konkreten Lebensverhältnisse von Individuen und deren Verbesserung im Auge, sondern sind auf vermeintliche kollektive Identitäten fixiert.“ Religion werde dann nicht mehr als Ideologie sondern als Identitätsmerkmal wahrgenommen.
Besonders betroffen von dieser Entwicklung sieht Schedel eingewanderte Säkularist*innen. Ihnen werde von einem Teil der Linken jegliche Solidarität verwehrt, sofern sie auch in Deutschland an einer religionskritischen und laizistischen Position festhalten. „Diesen Menschen, die für Selbstbestimmung kämpfen und vielfach ihre Geburtsländer verlassen mussten, gibt der Alibri Verlag eine Stimme“, erklärt Schedel. „Denn für die Debatte in Deutschland sind ihre Erfahrungen mit der religiösen Rechten von großer Bedeutung.“
Eine ausführlichere Argumentation, dass für Religionskritik gerade „schwere Zeiten“ angebrochen sind, hat Gunnar Schedel im Humanistischen Pressedienst veröffentlicht.
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